Klar bleiben

Gesellschaft

Zur Debatte um den Umgang mit der AfD

Von Friedhelm Wachs

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser, der Wirtschaftsverband „Die Familienunternehmer“ hatte zu seinem parlamentarischen Abend in Berlin im Oktober erstmals auch AfD-Politiker eingeladen – und damit seine bisherige Brandmauer-Strategie aufgegeben. Aus Protest traten u. a. die Unternehmen Rossmann, Vorwerk und Fritz-Kola aus dem Verband aus. Der Verband ist nun zurückgerudert und bezeichnet die Einladung von AfD-Vertretern als Fehler.

Jesus ließ sich nicht täuschen

Wir stehen heute vor politischen Kräften, die sich auf „christliche Werte“ berufen, gleichzeitig aber Positionen vertreten, die dem Evangelium widersprechen und die die Kirchen schwächen wollen. Für Christen ist das kein Randthema. Es geht nicht darum, mit wem wir reden, gleich mit welcher politischen Überzeugung, sondern was wir durch ein solches Gespräch legitimieren oder

normalisieren. Jesus sprach mit allen – aber er ließ sich nicht täuschen. Er war klar. Diese Klarheit brauchen wir jetzt. Christen stehen für die Wahrheit, für Zuversicht statt Angst und Hetze, Versöhnung statt Spaltung. Unsere Botschaft ist: Jeder Mensch ist ein Ebenbild Gottes – ohne Abstufung. Daraus erwächst die Pflicht zum würdigen Umgang, zur Fürsprache und, wo nötig, zum Schutz.

Die Barmer Theologische Erklärung erinnert uns: Keine politische Kraft darf Heilsversprechen erheben oder Menschen über- oder unterordnen. Diese Linie gilt zeitlos. Wer sich als Erlöser vor einem „Altsystem“ darstellt, nähert sich dem sehr. Gerade in der AfD begegnen uns doppelte Botschaften: 

 

Nach außen das Bekenntnis zum „christlich-jüdischen Abendland“ – innen die Strategie, Religion zu einem Abgrenzungswerkzeug zu machen. Kirchen werden abgewertet, ihre Rolle infrage gestellt; ein theologischer Gehalt fehlt fast vollständig. Das zeigt: Hier geht es nicht um Glaubenswerte, sondern um politische Instrumentalisierung. 

Ähnliche Muster sind erkennbar 

Dietrich Bonhoeffer (1905–1945) warnte davor, das Evangelium auf Herkunft und Identität zu reduzieren. Denn wer Menschen abwertet oder ihre Würde relativiert, stellt sich damit selbst außerhalb eines verantwortlichen politischen Diskurses. Diese Erfahrung haben wir Christen schmerzlich selbst erlebt – in den verfassten Kirchen wie in den Freikirchen. Bekennende Christen in der DDR erfuhren Ausgrenzung. Gehen wir in unsere Archive: Im „Dritten Reich“ wurden kirchliche Werke verboten; zugleich gab es die Versuchung nationalistischer Frömmigkeit. Die „Deutschen Christen“ folgten ihr offen.

Heute tauchen ähnliche Muster wieder auf: Menschen werden ethnisch sortiert, Zugehörigkeit nach Herkunft definiert. Das widerspricht fundamental dem biblischen Menschenbild. Reden wir miteinander – aber klar und respektvoll. Demokratische Debatten brauchen Räume, in denen wir Differenzen aushalten und Grenzen benennen. Diese Räume müssen wir schaffen. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, erinnert daran, dass Demokratie ohne Mut für eine Streitkultur erodiert. Mein Appell lautet daher: Stehen wir zu unserer Haltung. Reden wir darüber. Christliche Verantwortung heißt: Täuschung erkennen, Klartext sprechen und die Würde jedes Menschen schützen.

erschienen in IDEA DAS CHRISTLICHE SPEKTRUM 49.2025

 

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